Der Journalist Pravit über seine Zeit in Gewahrsam der Junta

Wie PWT bereits gebloggt hat, wurde der thailändische Journalist Pravit Rojanaphruk (ประวิตร โรจนพฤกษ์) am 13.09.2015 von der Junta in Gewahrsam genommen. Dies war seit dem Militärputsch im Mai 2014 die zweite Haft für den kritischen Journalisten.

Nachdem auch internationale Medien darüber berichtet und gegen die Festnahme protestiert hatten, wurde Pravit am 15.09.2015 freigelassen.

Nach der Freilassung gab er der thailändischen Net-Zeitung Prachatai (ประชาไท) ein kurzes Interview über seine zweite Haft:

Pravit sagte, während der Haft sei er von Militärangehörigen über zwei Postings befragt worden. Dabei handle es sich zum einen um einen seiner Tweets über die Legitimation des Junta-Anführers General Prayuth Chan-ocha (ประยุทธ์ จันทร์โอชา) und zum andern um ein 3-seitiges Posting über Line über die Ernennung eines neuen Sekretärs des Büros des nationalen Sicherheitsrats (Office of the National Security Council). Er habe bestritten, dass die beiden Postings von ihm stammen.

Nach einer ca. 1-stündigen Vernehmung am Hauptquartier der 1. Armeeeinheit sei er zum 11th Infantry Regiment King’s Bodyguard gebracht worden. Dort sei er über seinen politischen Standpunkt, seine Beziehungen zu politischen Gruppen und verschiedenen Menschenrechtsorganisationen und darüber vernommen worden, warum er gegen §112 des Strafgesetzbuches sei. Pravit sagte, er habe angegeben, er sei kein Anhänger der Rothemden und von Thaksin Shinawatra (ทักษิณ ชินวัตร). Er sei lediglich gegen jeden Militärputsch. Er habe nichts persönlich gegen General Prayuth. Ihm gehe es in seinen Äußerungen ums Prinzip. Ferner habe er bereits darauf hingewiesen, dass er gegen jegliche Parodien auf das Aussehen von General Prayuth sei.

Nach Pravits Ansicht seien die Militärangehörigen über die sozialen Netzwerke sehr besorgt.

„Sie [Die ihn befragenden Militärangehörigen] sind paranoid, was meine Tweets angeht. Was ich bei The Nation [der Zeitung, für die er gearbeitet hat] geschrieben habe, war kein Thema“, sagte der Journalist. Die Junta betrachte ihn als einen Meinungsführer, weil seine Tweets retweeted würden.

„Der Hass auf mich macht mich größer als ich wirklich bin“, sagte er und vertrat die Meinung, dass die Junta etwas unternehme, was nicht notwendig sei.

Pravit gab an, er sei von 15:30 bis 21:00 Uhr bei dieser Einheit festgehalten und befragt worden. Danach sei er in einem Wagen zu einem anderen Ort gebracht worden. Die Fahrt habe ca. eine Stunde gedauert. Jedoch wisse er nicht, wo dieser Ort gewesen sei. Denn ihm seien seine Augen während der ganzen Fahrt verbunden worden.

Er sei in einem 4 x 4 m großen Zimmer untergebracht worden. Dort habe es nur ein Neonlicht gegeben. Jegliches natürliches Licht sei verdunkelt worden. Das Zimmer sei videoüberwacht gewesen. Es habe einen Fernsehapparat mit zwei Programmen gegeben, nämlich Channel 3 und Thai PBS. Im Zimmer habe es eine Standklimaanlage gegeben, auf der ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Kanchanaburi“ [Name einer Provinz westlich von Bangkok] zu sehen gewesen sei. Er habe Trinkwasser bekommen und sei in diesem Zimmer gefangen gehalten worden.

Gegen 07:00 oder 08:00 Uhr am Montag [14.09.2015] habe man ihm Essen gebracht. (Er sei bereits danach gefragt worden, als er noch in Bangkok gewesen sei.)

In den ersten 20 Stunden habe er mit keinem Menschen gesprochen. Er habe lediglich an die Tür geklopft und gebeten, dass er aus dem Zimmer gehen dürfe, um frische Luft zu schappen. Denn ihm sei es vorgekommen, als habe er im Zimmer keine Luft bekommen. Ihm sei erlaubt worden, insgesamt 6 mal das Zimmer zu verlassen und sich außerhalb des Zimmers aufzuhalten. Jedes Mal seien ihm seine Augen verbunden worden. Dies, so Pravit, sei deutlich anders als seine erste Haft gewesen. Damals hätten sich die Gefangenen frei bewegen dürfen. Manchmal hätten sie zusammen Fußball gespielt.

Am Montagabend habe ein ranghoher Militäroffizier mit ihm über seinen politischen Standpunkt ein Gespräch geführt. Dabei habe man ihn gefragt, ob er etwas brauche. Er habe um Sonnenlicht, Luft und Shampoo gebeten.

Am nächsten Morgen habe er „Luft“ erhalten, indem man es ihm erlaubt habe, mit dem Rücken zur für ca. 30 Minuten geöffneten Zimmertür zu sitzen.

Am Dienstag, dem 15.09.2015, gegen 14 Uhr habe man ihm die gleiche Vereinbarung wie bei seiner ersten Haft unterbreitet, die er zu unterschreiben gehabt habe. Er sei zur 1. Armeeeinheit zurückgebracht worden und gegen 15 Uhr dort eingetroffen. Während dieser Fahrt seien ihm erneut die Augen verbunden worden.

Er habe dort einen ranghohen Militäroffizier getroffen. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass gegen ihn bereits eine Anzeige erstattet worden sei. Der Journalist sagte, der Offizier habe ihm gesagt, dass die Anzeige zunächst einmal auf Eis gelegt worden sei. Gegen ihn werde zu diesem Zeitpunkt noch nichts unternommen. Schließlich seien sie ja alle gleichermaßen Thailänder. Der Offizier habe betont, die Ermittlungen würden sofort aufgenommen, wenn er wieder gegen Anordnungen der Junta verstoße. Pravit sagte, er wisse nicht, um was für eine Anzeige es sich dabei handle und wegen welches Gesetzesverstoßes. Er wisse nur, dass es ein Gesetzesverstoß sei, gegen den eine Haftstrafe von 15 Jahren verhängt werden könne.

„Ich bin nicht misshandelt worden. Aber ich habe mich sehr bedroht gefühlt,“ sagte der Journalist.

Vor der Freilassung, so Pravit, hätten die Militärangehörigen ihm angeboten, ihn zu seiner Wohnung zu fahren. Er habe jedoch darauf bestanden, dass sie ihn nur bis zu einer Hochbahnstation bringen sollten.

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass die englischsprachige Zeitung The Nation es dem kritischen Journalisten nahegelegt haben soll, zu kündigen. Wie Bangkok Post berichtet, hatte zuvor der Journalist Kanok Ratwongsakul (กนก รัตน์วงศ์สกุล), ein Kollege von Pravit bei The Nation und ein nachweislich aktiver Sympatisant der PDRC-Bewegung, auf seiner Facebook-Seite gepostet, nach der Entlassung von Pravit werde eine große Gruppe von Angstellten von The Nation mit dem Management darüber reden, dass es seine Haltung im Umgang mit Pravit ändern solle. Dabei hat Kanok betont, die meisten Journalisten bei The Nation würden nicht die politischen Meinungen von Pravit teilen. Bei The Nation sei Pravit der einzige, der so denke, wie er eben denke. Darüber hat sich Pravit auf seiner Facebook-Seite kurz geäußert. Er habe seine Stelle bei The Nation gekündigt, um das Blatt vor weiterem Druck zu bewahren, heißt es in der Stellungnahme. Auch internationale Medien wie BBC haben über diese ihm nahegelegte Kündigung berichtet.

Text und Redaktion: ████████████

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