Kritischer Journalist erneut in Gewahrsam der Junta

Einige Tage nach dem jüngsten Militärputsch im Mai 2014 ging dieses Foto um die Welt:

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(Foto-Quelle: http://bit.ly/1iJWY0z)

Auf dem Foto ist der thailändische Journalist Pravit Rojanaphruk (ประวิตร โรจนพฤกษ์), der für die in Thailand erscheinende, englischsprachige Tageszeitung “The Nation” arbeitet und sich bereits im Vorfeld des Militärputsches kritisch über das thailändische Militär geäußert hatte, zu sehen. Er hat sich symbolisch seinen Mund mit Klebeband zugeklebt und vor einer Militäreinheit ablichten lassen, bevor er sich auf Anordnung der Junta den Sicherheitskräften stellte. Er wurde eine Woche lang vom Militär gefangen gehalten. Nachdem er eine Abmachung mit der Junta unterschrieben hatte, wurde er freigelassen.

In den letzten Tagen wurden zwei Politiker der Phue Thai Partei, nämlich Herr Pichai Naripthaphan (พิชัย นริพทะพันธุ์) und Herr Karun Hosakul (การุณ โหสกุล), von der Junta in Gewahrsam genommen, auch Pravit wird laut übereinstimmender Medienberichte (siehe u.a. hier, hier und hier) seit 13.09.2015 von der Junta erneut festgehalten, ohne dass seine Verwandten darüber informiert sind, wo er sich befindet.

Kurz vor dieser zweiten Festnahme ging der Journalist in die Offensive, indem er publik machte, dass Militärangehörige seine Wohnung aufgesucht hätten. Ferner hat er der Publizistin Fahroong Srikhao (ฟ้ารุ่ง ศรีขาว) das folgende Interview gegeben:

[Deutsche Übersetzung von PWT:]

Fahroong Srikhao: Wie war die Situation, als Militärangehörige heute Ihre Wohnung aufsuchten?

Pravit: Ich war nicht zuhause. Meine Ex-Frau war in der Wohnung. Soweit ich weiß, waren es zwei Offiziere. Sie hat mich kontaktiert, um zu fragen, was los ist. Ich habe ihr – da sie eine Japanerin ist – zu erklären versucht, dass das Militär erst vor kurzem zwei Personen in Gewahrsam genommen hat, nämlich die Politiker Phichai und Karun. Ich habe ihr deshalb erklärt, dass sie sich auf die Situation einstellen soll. Es hat mich nicht sehr überrascht. Aber ich finde es komisch, weil die Junta bereits vor mehr als einem Jahr geputscht hat, eigentlich vor beinahe zwei Jahren schon [sic!]. Aber sie fühlt, dass ihre Macht nicht stabil ist. Daher muss sie von Zeit zu Zeit ihre Opponenten einschüchtern. Die Junta hat ihre Leute zu mir geschickt, um… Ich weiss auch nicht, warum. Aber es ist eine klare Sache. Dass die Junta ihre Leute zu mir geschickt hat, liegt daran, dass sie nicht so happy mit dem ist, was ich so schreibe und wie ich mich äußere.

Fahroong: Haben Sie vor diesem Vorfall Angehörige des Militärs in ihrer Wohnung aufgesucht?

Pravit: Einmal haben Polizeibeamte mich aufgesucht. Wenn ich mich nicht täusche, muss es vor 6-7 Monaten gewesen sein. Es ist interessant, dass nachdem der Verfassungsentwurf gekippt wurde und die ökonomische Situation nicht so rosig ist, die Junta besonders empfindlich ist, wenn jemand sich kritisch über sie geäußert hat. Es ist schade. Ich tue meinen Job als Journalist ehrlich und schreibe unter meinem echten Namen. Die Junta weiß es. Eigentlich hat sie ja meine Handynummer. Ich weiß auch nicht, warum man mich zu Hause aufsuchen muss. Denn die Junta kann mich direkt anrufen. Wenn sie will, dass ich etwas mache, kann sie doch mit mir reden.

Fahroong: Setzt dieser Vorfall Sie unter Druck? Haben Sie Angst? Fühlen Sie sich unterdrückt? Und werden Sie Ihre Kritik an der Junta mildern?

Pravit: Ich werde meine Kritik wahrscheinlich nicht zurückfahren. Aber ich bin ein wenig mehr besorgt. Denn ich denke, dass die Junta nach Wegen sucht, um Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, damit sie ihren Mund nicht aufmachen. Im Kampf gegen eine Diktatur muss man sich ständig vergewissern, dass man gegen etwas kämpft, das keine Legitimation besitzt. Deshalb habe ich keine Angst. Ich handle offen. Egal was passiert, [an dieser Stelle einige Wörter unverständlich]. Ich werde nicht flüchten.

Fahroong: Betrachten Sie diesen Vorfall als eine Einschüchterung?

Pravit: Das ist sie sehr wohl. Aber meine Ex-Frau hat mir gegenüber betont, die Offiziere seien höflich gewesen. Sie sind alle höflich. Und das ist das Interessante an der Machtanwendung der Junta. Wie alle wissen und wie die Junta z.B. General Pravit erst gestern betont hat, dass die beiden Politiker, die – ich weiß nicht mehr, zum wievielten Mal – in Gewahrsam genommen worden sind, so gut behandelt würden, wie zuhause. Natürlich hat die Junta bislang höflich mit mir geredet. Das sei betont. Gleizeichtig werden meine Rechte beschnitten, in vielerei Hinsicht. Will ich eine Auslandsreise machen, muss ich die Junta um eine Genehmigung bitten. Ob ich die Reise antreten darf, hängt von der Junta ab. Nach meiner Rückkehr muss ich der Junta eine Bestätigung faxen. Was die Einschüchterung der Medien angeht, habe ich der Nichtregierungsorganisation Reporters sans frontières oder Reporter ohne Grenzen ein Interview gegeben. Ein entsprechender Bericht soll bald veröffentlicht werden. Vielleicht Mitte oder Ende dieses Monats. Es geht um die Einschüchterung der thailändischen Medien in Thailand durch die Junta. Französische Vertreter der Organisation sind nach Thailand geflogen, um mit mir das Interview zu führen. Es war – wenn ich mich nicht täusche – vor zwei Monaten.

Fahroong: Vielen Dank für das Gespräch.

Pravit: Gerne geschehen.

Wie gewohnt hat ein Militärsprecher die Festnahme als „eine die Einstellung der betroffenen Person änderende Maßnahme“ kommentiert. Sowohl die Festnahme von Pravit und der anderen Personen habe damit zu tun, dass diese Personen ungeprüfte Informationen verbreiten würden, die für Konfusionen in der Öffentlichkeit sorgen könnten.

Text und Redaktion: ████████████

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