Die thailändische Regierung will Aktien im Wert von 100 Milliarden Baht verkaufen

Am 23.05.2015 berichtete die thailändische Wirtschaftszeitung Prachachat Turakij (ประชาชาติธุรกิจ) von einer kurzen Stellungnahme des thailändischen Finanzministers Sommai Phasee (สมหมาย ภาษี) zu einem Vorhaben der Regierung in Bangkok:

“รัฐบาลยังเตรียมจะพิจารณาขายหุ้นในกิจการของเอกชนที่รัฐถือหุ้นอยู่ และมองว่าไม่เป็นประโยชน์หรือบริหารจัดการยาก โดยจะขายหุ้นออกไป เพราะมองว่าไม่มีความจำเป็นต้องถือหุ้นไว้ ซึ่งคาดว่าจะได้เงินในส่วนนี้ประมาณ 1 แสนล้านบาท เพื่อมาใช้ในการบริหารจัดการหนี้ในระยะต่อไป”

[Deutsche Übersetzung von PWT:]

“Die thailändische Regierung zieht in Erwägung, Aktien bei privaten Unternehmen in ihrem Besitz zu verkaufen, die sie für nicht nützlich oder für schwer zu verwalten hält. Sie wird solche Aktien verkaufen, weil sie der Meinung ist, dass es nicht notwendig ist, diese Aktien weiter zu halten. Es wird erwartet, dass der Verkauf dieser Aktien der Regierung einen Erlös von ca. 100 Milliarden Baht einbringen wird. Das Geld wird für die Schuldenverwaltung in einer nächsten Phase verwendet.”

Anmerkungen von PWT:

  1. Was den Aktienmarkt in jedem Staat angeht, so soll die primäre Aufgabe jedes Staates idealerweise darin bestehen, für das Vertrauen von Investoren zu sorgen, indem er gerechte Rahmenbedingungen für den Aktienhandel gewährleistet. Hält der Staat selbst Beteiligungen an privaten Aktiengesellschaften vor allem am heimischen Aktienmarkt, so entstehen unvermeidlich Interessenskonflikte, die sich aus der doppelten Rolle des Staates als Eigentümer und Wettbewerbshüter ergeben. Für Investoren käme der Aktienhandel in einem solchen Staat fast einem Kartenspiel gleich, bei dem die Investoren mit dem Rücken zu einem Spiegel sitzen und ihnen gegenüber der thailändische Staat mit gut verdeckten Karten. Dies ist jedoch leider auch im internationalen Vergleich eher die Regel, als die Ausnahme. Zum Vergleich bietet sich Deutschland an.

  2. Zu den privaten Unternehmen, bei denen die thailändische Regierung (่jeweils aufgeführt als Aktionär unter dem Namen „กระทรวงการคลัง“ (=Finanzministerium) der größte Aktionär ist, gehören frühere Staatsunternehmen wie die AIRPORTS OF THAILAND PUBLIC COMPANY LIMITED (AOT, mit 70% Beteiligungen am Unternehmen, Stand 26.05.2015), THAI AIRWAYS INTERNATIONAL PUBLIC COMPANY LIMITED (THAI, mit 51,03% Beteiligungen am Unternehmen, Stand 26.05.2015), Mass Communication Organization of Thailand (MCOT, mit 65,80% Beteiligungen am Unternehmen, Stand 26.05.2015) und PTT PUBLIC COMPANY LIMITED (PTT, mit 51,1% Beteiligungen am Unternehmen, Stand 26.05.2015). Da solche Unternehmen nach wie vor mit spezifischen Aufgaben des Staates, Stichwort „öffentlichem Auftrag“ hier „Luftverkehr“, „Rundfunk“ und „Ölversorgung“, zu tun haben, dürfte es nicht so unproblematisch sein, die staatlichen Beteiligungen an diesen Unternehmen aufzugeben. Sicherlich könnte es wirtschaftlich sinnvoll sein, dass sich der thailändische Staat von einem wirtschaftlich ungesunden Unternehmen wie der hoch verschuldeten Fluggesellschaft Thai Airways trennt. Jedoch dürfte es nicht so leicht fallen, die Trennung von gesunden Unternehmen wie PTT zu begründen. Ferner stellt sich die Frage, ob es sich gehört, dass eine nicht gewählte Regierung solch staatliches Vermögen veräußern soll und wie eine transparente Veräußerung unter einer Junta, die selbst das Gesetz bestimmt, gewährleistet werden kann. Bei diesen gesunden und somit rentablen Unternehmen stellen sich solche Fragen wie: Wer soll diese Aktien kaufen dürfen? Und nach welchen Kriterien?

  3. Es ist unverständlich, warum bzw. mit welcher Intention ein Finanzminister öffentlich bekundet, dass Aktien im Umfang von 100 Milliarden Baht bald verkauft werden würden. Die Kurse der betroffenen Aktien könnten dadurch einbrechen, was den erwarteten Erlös enorm beeinträchtigen würde. Dies wäre eine Unbedachtheit, die ein Finanzminister eigentlich gar nicht verantworten könnte. Wenn dies jedoch mit Kalkül bekannt gegeben wurde, dann könnte der Finanzminister unter dem Verdacht einer Kursmanipulation stehen. Personen, die noch vor dieser öffentlichen Bekundung von den Plänen der Regierung mit bekommen hatten, hätten sich mit entsprechenden Put-Options decken können, die ihnen bei der Umsetzung dieses Verkaufsplans sehr viel Gewinn bringen dürften, während der Staat aufgrund des zu erwartenden Kurseinbruchs Verluste hinnehmen müsste. Dies käme einem Schaufeln öffentlicher Gelder in die Geldbörsen von Insidern gleich. Eine Korruption, die man nicht belangen könnte.

Vor diesem Hintergrund wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass bei einem Militärputsch ein ähnliches Szenario am Währungs- und Aktienmarkt in Thailand vorstellbar ist: Wüsste jemand von einem geplanten Militärputsch, könnte dieser von dieser Gewissheit durch entsprechende Währungs- und Aktienkäufe bzw. -verkäufe nicht wenig Geld verdienen.

Text und Redaktion: ████████████

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