Kultfigur der Anti-Putsch-Bewegung Sombat Boon-ngamanong festgenommen

„Catch me, if you can“, das war Sombat Boon-ngamanongs (สมบัติ บุญงามอนงค์) Antwort auf die Aufforderung der Militärmachthaber, dass er sich stellen solle. Neben dem ebenfalls einbestellten und vom Militärgericht bereits zu einer Haftstrafe verurteilten Politiker Chaturon Chaisaeng (จาตุรนต์ ฉายแสง), der direkt nach seiner denkwürdigen Presskonferenz gab und an Ort und Stelle dieser Pressekonferenz verhaftet wurde, war der Spruch des gesuchten und untergetauchten Aktivisten, der auch unter dem Pseudonym Bo. Ko. Laichud (บ.ก. ลายจุด), dem punktierten Redakteur, bekannt ist,  die bislang wohl provokanteste Aktion gegen die Machtdemonstration des Militärs.

Sombat Boon-ngamanong ist seit Anfang der 1990er Jahre aktiv gegen Militärputsche. Er hat die Öffentlichkeit vor allem seit dem vorletzten Militärputsch im Jahr 2006 als einer der schärfsten Putsch-Kritiker in Thailand auf sich aufmerksam gemacht. Nach den militärischen Niederschlagungen der Rothemden im Jahr 2010 war es Sombat, der den zerschlagenen Rothemden Gehör mit zahlreichen Aktionen verschafft hat. Seine Protestaktionen gelten als provokativ und medienwirksam, sind aber zugleich friedlich, was während der seit 2006 andauernden politischen Krise in Thailand eher eine Rarität war (und ist), (wie hier dokumentiert worden ist).

Daher war es auch nicht verwunderlich, dass das Militär Sombat sofort nach dem Putsch einbestellte. Dieser aber weigerte sich, sich zu stellen. Seit dem Putsch war der Putsch-Kritiker also nur noch virtuell unterwegs und setzte von seiner virtuellen Welt aus einige wichtige Akzente im Widerstand gegen den Putsch. Unter anderem hatte er einige Tage nach dem Putsch auf humorvolle und durchaus kreative Art und Weise angekündigt, er werde an einem bestimmten Tag in einem McDonalds im Stadtzentrum von Bangkok sein und sich stellen, falls zufällig ein Polizeibeamter dort vorbeilaufe. An dem angekündigten Tag versammelten sich Hunderte von Menschen vor dem besagten McDonalds mit einer Maske von Sombat und veranstalteten ihre Maskenparty als eine symbolische Protestaktion gegen den Militärputsch, wie hier und hier nachgelesen werden kann.

Image(Quelle: http://bit.ly/1kCDTed)

Außerdem war Sombat derjenige, der den endgültigen Versammlungsort der letzten großen Anti-Putsch-Demonstranten in Bangkok am vergangenen Sonntag, dem 01.06.2014, bekannt gab, worüber PWT bereits gebloggt hat. Für viele Sympathisanten der Anti-Putsch-Bewegung ist Sombat deshalb zu einer Kultfigur geworden. Viele hatten (heimlich) gehofft, er würde noch lange erfolgreich untergetaucht bleiben, auch wenn man wusste, dass dies für Sombat schwer werden dürfte. Und nun ist dieser soeben nach übereinstimmenden Medienberichten offenbar von der Polizei und dem Militär in der ost-thailändischen Provinz Chonburi festgenommen worden, siehe hier und hier.


Kurz vor seiner Festnahme gab er dem Blog Asia Provocateur folgendes Kurzinterview:

Warum flüchten Sie?

Die Putschgruppe hat mich per Deklaration aufgefordert, mich zu stellen. Ich sehe nicht ein, dass Personen im Besitz von Waffen, die Staatsgewalt von allen Bürgern an sich gerissen haben, dann auch noch Bürger auffordern, sich zu stellen. In meiner Eigenschaft als Anführer der Aktivistengruppe „Roter Sonntag“ (วันอาทิตย์สีแดง) habe ich kontinuierlich Aktionen gegen den Militärputsch und für die Demokratie organisiert. Daher kann ich den Status der Putschgruppe nicht anerkennen und habe ihrer Aufforderung nicht Folge geleistet. Seitdem initiiere ich in sozialen Netzwerken weitere Aktionen gegen den Militärputsch, während das Militär weiterhin nach mir fahndet.

Wollen Sie der Putschgruppe etwas ausrichten?

Ich möchte der Putschgruppe sagen, dass die Macht, die sie momentan zu besitzen glaubt, in Wahrheit zu den Grundrechten des Volkes gehört. Als Soldaten kommen sie ihrer Aufgabe nicht nach, das Volk vor Schäden zu schützen. Im Gegenteil, sie haben uns unserer Grundrechte beraubt. Sie sind keine Helden, sondern politische Diebe.

Können Sie uns verraten, was Sie für Pläne für die Zukunft haben?

Meine Pläne bleiben der Widerstand gegen den Putsch. Es werden weiterhin Aktionen sein, die die ganze Welt darauf aufmerksam machen sollen, dass es in Thailand auch Menschen gibt, die gegen den Militärputsch sind. Ich will für die Putschisten weiterhin ein Dorn im Auge bleiben, damit sie wissen, dass wir ihre Handlung nicht akzeptieren, uns dagegen wehren und gleichzeitig das demokratische Bewusstsein mitten in diesem Klima der Angst schärfen.

Was sagen Sie zu der Verfolgung ihrer Tochter durch das thailändische Militär?

Es ist eklig, dass das Militär meine Familie und meine Tochter belästigt. Dabei haben meine Familie und meine Tochter mit meinen politischen Aktivitäten überhaupt nichts zu tun. Aber das Militär will mich unter Druck setzen. Es will, dass ich zögerlich werde. Das Militär will, dass ich weiß, dass es meine Tochter erreichen kann. Und dies soll eine Methode von ehrenwerten Soldaten sein.

 


Medienberichten zufolge erfolgte die Festnahme, nachdem der thailändische Geheimdienst National Intelligence Agency (สำนักข่าวกรองแห่งชาติ) die IP-Adresse des gesuchten Aktivisten habe identifizieren können. Sombat werde nun an einem Militärstützpunkt in der Provinz Chonburi in Gewahrsam genommen. Diese Festnahme dürfte ein Indiz dafür sein, wie umfangreich die Militärmachthaber inzwischen das Internet kontrollieren können.

3a(Quelle: )

4b(Quelle: http://bit.ly/1oZOvqO)

Während der Festnahme verabschiedete sich der Aktivist, der – wie auf dem Foto zu sehen ist – ein T-Shirt mit dem bemerkenswerten Spruch „LIVE, LIFE, FIND, HOPE“ trug, auf seiner Facebook-Seite mit dem knappen Satz: „Ich bin festgenommen worden.“ Auf der Website der thailändischen Tageszeitung Thairath (ไทยรัฐ) hat die Meldung über die Festnahme von Sombat 35,9 % der Leser gefallen (=ชอบ), während 56,5 % der Leser dem Gefangenen moralische Unterstützung ausgesprochen haben.

Text: ████████████

 

 

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