Myanmarische Journalisten sorgen sich um ihre Kollegen in Thailand

Seit dem Putsch am 22.05.2014 sehen viele politische Beobachter die Presse- und Meinungsfreiheit in Thailand in Gefahr.[1] Ein rigides Vorgehen gegen Publizisten ist eingeleitet worden. So wurde bereits in den ersten Tagen nach dem Putsch bei einer Anti-Putsch-Demonstration in Bangkok Thanapol Eawsakul (ธนาพล อิ๋วสกุล), Chefredakteur der Zeitschrift Fa Diew Kan (ฟ้าเดียวกัน / „Unter dem gleichen Himmel“), wohl gezielt festgenommen. Fa Diew Kan wird als eine kritische Zeitschrift angesehen, weil sie vor allem das Thema Monarchie behandelt. Thanaphol ist bereits zweimal wegen Majestätsbeleidigung angeklagt worden.[2]

Ein weiterer prominenter Journalist, der von den neuen Machthabern in Bangkok einbestellt wurde, war Pravit Rojanaphruk von der englischsprachigen Zeitung „The Nation“. Pravit gilt ebenfalls als kritisch. Bereits während der PDRC-Bewegung hat er sich unermüdlich gegen anti-demokratische Tendenzen geäußert, ebenso gegen das ausgerufene Kriegsrecht und gegen den Putsch. Auch er ist bereits wegen Majestätsbeleidigung angeklagt worden.[3] Einer seiner letzten Tweets, bevor er sich dem Militär stellte, lautete: „You can detain me but you can never imprison my conscience!“[4]

Während Pravit nach Medienberichten noch in Haft ist, ist Thanaphol laut der thailändischen Tageszeitung Khaosod (ข่าวสด) am heutigen 22.05.2014 freigelassen worden. Auf seiner Facebook-Seite (Thanapol Eawsakul) waren als erstes folgende Worte zu lesen:

„สวัสดีครับทุกท่าน ผมเดินทางกลับสู่ที่พักโดยสวัสดิภาพแล้ว ตลอดระยะเวลา 8 วันที่ผ่านมา เพื่อนผมเล่าให้ฟังว่าประเทศไทยได้“เปลี่ยน“ไปเป็นอันมากผมคงต้องใช้เวลาในการติดตามข้อมูลข่าวสารตลอดจนอารมณ์ของผู้คนไปสักระยะหนึ่งก่อนครับ […]“

„Hallo Ihr Lieben, ich bin heil nach Hause gekommen. Freunde haben mir erzählt, dass sich Thailand in den letzten 8 Tagen dramatisch ‚verändert‘ habe. Ich brauche daher eine Weile, um all die Nachrichten und Informationen sowie die Gemütslage der Menschen zu studieren […].“

Es sind Worte, die auf eine Selbstzensur hindeuten, was bei einigen anderen Freigelassenen ebenfalls festgestellt werden kann. Etwa der Buddhismus-Experte, Akademiker und Publizist Suraphon Thawisak (สุรพศ ทวีศักดิ์), der ebenfalls einbestellt, in Gewahrsam genommen und nun zusammen mit Thanapol freigelassen worden ist. Dieser schrieb auf seiner Facebook-Seite (สุรพศ ทวีศักดิ์):

„ได้รับอิสรภาพและกลับถึงบ้านแล้วครับ ขอบคุณทุกท่านที่เป็นห่วงและให้กำลังใจ ผมต้องงดแสดงความเห็นทางการเมืองตามเงื่อนไข และขอภาวนาให้สถานการณ์ผ่านไปโดยไม่มีการสูญเสียใดๆ[…]“

„Ich bin in Freiheit und bin bereits nach Hause gekommen. Vielen Dank an alle, die sich Sorgen um mich gemacht haben, und vielen Dank für die moralische Unterstützung. Ich muss mir eine Selbstzensur auferlegen, gemäß der Bedingung [für meine Freilassung]. Ich bete dafür, dass diese Situation ohne jeglichen Verlust vorüber geht. […]“

Bei einem der jüngsten Fälle, die als Bedrohung für die Pressefreiheit empfunden worden sind, handelt es sich um zwei thailändische Journalisten, die General Prayuth Chan-ocha (ประยุทธ์ จันทร์โอชา) bei dessen erster offizieller Pressekonferenz Fragen stellten.[5] Thailändische Medien berichteten übereinstimmend[6], dass die beiden Journalisten, nämlich Suparirk Thongchairit (ศุภฤกษ์ ธงไชยฤทธิ์) von der thailändischen Tageszeitung Thai Rath (ไทยรัฐ) und Wassana Nanuam (วาสนา นาน่วม) von der englischsprachigen Tageszeitung Bangkok Post nach dieser Pressekonferenz vom Militär einbestellt worden seien. Das Militär wolle mit den beiden Journalisten reden und sie davor warnen, dem Oberkommandierenden des Heeres und Chef des nationalen Rates für Frieden und Ordnung General Prayuth bei einer nächsten Gelegenheit solch aggressive Fragen zu stellen.

All diese Vorfälle haben Myanmar Journalists Association (MJA), einen Journalistenverband aus Thailands Nachbarland Mynmar, dazu veranlasst, eine Stellungnahme zur Situation der Pressefreiheit in Thailand abzugeben. Diese lautet:

„Sorgen über die Einschränkungen der Freiheit von thailändischen Journalisten im Anschluss an den Putsch in Thailand  

  1. Es wird berichtet, dass die Militärmacht in unserem Nachbarland Thailand notwendige Maßnahmen unternimmt, um den Frieden und die Stabilität wiederherzustellen, nachdem sie am 22. Mai einen Putsch durchgeführt hat.
  2. Die Myanmar Journalists Association, die mit der Thai Journalists Associationeine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) über die gemeinsame Zusammenarbeit unterzeichnet hat, ist über die Einschränkungen gegenüber den Medien und ihren mitarbeitenden Journalisten sowie über die Verletzung der Pressefreiheit, die dem Militärputsch in Thailand folgten, zutiefst besorgt.
  3. Die myanmarischen Journalisten haben große Sympathie und starkes Mitgefühl wegen der Härte, die thailändischen Journalisten zurzeit widerfährt, da sie ähnliche Einschränkungen und Verfolgungen unter früheren Regierungen selbst erlebt haben.
  4. Daher möchten wir ernsthaft an die thailändische Militärregierung appellieren, die Pressefreiheit wiederherzustellen, indem die Einschränkungen für thailändische Journalisten aufgehoben und willkürliche Festnahmen beendet werden, falls sie wirklich danach strebt, eine echte nationale Versöhnung herbeizuführen und die Demokratie zu schützen.

 Myanmar Journalists Association

Myanmar

28. Mai 2014, Myanmar Journalists Association“[7]

(Originalerklärung sowie weitere Erklärungen myanmarischer Journalisten zur Situation der Pressefreiheit in Thailand auf der Website der Thai Journalists Association: http://www.tja.or.th/index.php?option=com_content&view=article&id=3525:statement-from-myanmar-journalist-association-on-press-restriction-in-thailand&catid=49:2552&Itemid=26, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014)

Das rigide Vorgehen der Militärmachthaber zeigt augenscheinlich seine Wirkung: Kritische Berichte und Beiträge sind so gut wie nicht mehr vorhanden in den Mainstreammedien in Thailand. Gleichzeitig entscheiden sich manche alternative Medien dazu, Zurückhaltung zu üben – wie etwa der bekannte Blogger Bangkok Pundit es tut.[8]

 

[1] Siehe u.a. http://news360.com/article/240606148 und http://www.boell.de/de/2014/05/28/wie-das-thailaendische-militaer-die-presse-und-meinungsfreiheit-unterdrueckt, beides zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[2] Siehe: https://thainetizen.org/wp-content/uploads/2011/06/thailand-cybercrime-foe-20110602.pdf, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[3] http://prachatai.com/english/node/3230, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[4] https://twitter.com/PravitR/status/470364347982561280, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[5] Darüber hat PWT bereits mit einer vollständigen Transkription der besagten Fragerunde gebloggt. Siehe: https://passauwatchingthailand.com/2014/05/26/die-erste-pressekonferenz-des-neuen-machthabers-in-thailand/.

[6] Siehe u.a. http://en.khaosod.co.th/detail.php?newsid=1401193338 und http://www.nationmultimedia.com/breakingnews/Two-reporters-summoned-by-Army-secretary-warned-no-30234743.html, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[7] Von dieser Erklärung der MJA wurde u.a. von Bangkok Post berichtet. Siehe: http://www.bangkokpost.com/news/politics/412251/myanmar-media-demands-press-freedom-in-thailand, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

[8] http://asiancorrespondent.com/123214/change-of-blog-style-in-a-post-coup-environment/, zuletzt aufgerufen am 30.05.2014.

Text und Redaktion: ████████████

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