Die unwissenden Ausländer

Fast eine Woche ist vergangen, seit die Armee am 22. Mai 2014 die Übergangsregierung gestürzt hat, die Verfassung von 2007 größtenteils außer Kraft setzte und damit begann, Medien zu zensieren und Kritiker einzubestellen. Internationale Reaktionen von Regierungen und Kommentare von Journalisten mahnen Thailand, so schnell wie möglich wieder zu einer demokratischen Staatsform zurückzukehren. Im Konsens werden die erheblichen Einschränkungen grundlegender Menschenrechte, wie etwa das Recht auf freie Meinungsäußerung, verurteilt.

In Bangkok und einigen weiteren Orten begannen derweil kleinere Proteste gegen den Coup und Forderungen nach Demokratie werden laut. Trotzdem gibt es auch Pro-Coup-Proteste und es sind Stimmen in Thailand zu hören, die das Eingreifen des Militärs für keinen allzu schlimmen Schritt zu halten scheinen und das Ausland dazu auffordern, sich aus Thailands internen Angelegenheiten herauszuhalten.
Pornpimol Kanchanalak (พรพิมล กาญจนลักษณ์) von The Nation schreibt beispielsweise, dass sich die Staatengemeinschaft ihre Kritik sparen könne, da die Länder nicht mit den politischen Vorgängen in Thailand vertraut seien und die Energie doch besser für die entführten Mädchen in Nigeria verwendet werden solle. Außerdem liebe die ausländische Medienlandschaft negative Berichterstattung über die sog. „Elite“ und das Königshaus, denn dies sei schließlich „sexy“.[1]

Auch der Ex-Senator, Politologe und Journalist Dr. Somkiat Onwimon (สมเกียรติ อ่อนวิมล), der während der PDRC-Proteste auch als Redner auf Bühnen der Regierungsgegner auftrat[2], äußerte sich speziell kritisch gegenüber den USA und ausländischen Nachrichtensendern. An US-Außenminister John Kerry gerichtet, sprach Somkiat davon, dass auch die USA irgendwann den Unterschied zwischen einem autoritären Thaksin-Regime, das unter dem Deckmantel der Demokratie regiere, und der Demokratie, wie von Alexis de Tocqueville vor 180 Jahren beschrieben, verstehen werde. Darüber hinaus lägen die Zusammenhänge von Thailands Krise weit über dem Verständnis der Fernsehsender BBC und CNN. Er läge ihnen mehr Zeit und Bildung näher, um Thailand besser zu verstehen.[3]

Auffällig ist, dass weder Pornpimol noch Somkiat auf den eigentlichen Coup an sich eingehen oder versuchen, die Machtergreifung des Militärs genauer zu reflektieren. Vielmehr beschränken sich die beiden darauf, das Ausland als „unwissend“ darzustellen, und fordern eine neutrale Haltung.

Die thailändischen Medien äußern sich aber nicht nur so einseitig. In einem anderen Beitrag von The Nation wird in einem Absatz darauf hingewiesen, dass dem Ausland sehr wohl eine eigene Meinung zustehe und die Armee besser darauf hören solle. In dem Artikel wird argumentiert, dass es internationale Normen gebe, wie den Respekt vor Menschenrechten und freier Meinungsäußerung und sich Thailand als Mittelstandsnation und Teil der internationalen Gemeinschaft diesen Normen nicht entziehen dürfe. Hinzu komme die Unterzeichnung zahlreicher Konventionen und politischer Abkommen. Am Ende des Absatzes wird jedoch gefragt, ob dies denn vielleicht alles nur eine Show gewesen sein sollte?[4]

Text: ████████████

Redaktion: ████████████

[1] http://www.nationmultimedia.com/opinion/To-the-world-Please-dont-become-part-of-Thailands–30234297.html
[2] http://www.nationmultimedia.com/opinion/Somkiat-could-lead-more-key-folk-to-join-PDRC-and–30225170.html
[3] http://goo.gl/NNGKOU
[4] http://www.nationmultimedia.com/opinion/Restoring-democracy-must-be-main-focus-of-coup-lea-30234522.html

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