PDRC-Demonstranten: Eine Spurensuche

Umfragen der Asia Foundation

Wird heute von der PDRC gesprochen, fällt schnell das Augenmerk auf deren Anführer, Suthep Thaugsuban, den ehemaligen(?)[1] führenden Politiker der oppositionellen Demokratischen Partei. Aber wer sind die PDRC-Demonstranten selbst?

Um diese Frage zu beantworten, hat die Asia Foundation zwei Umfragen durchgeführt. Die erste Umfrage fand im November 2013, ganz am Anfang der PDRC-Bewegung, statt. Eine zweite folgte während des „Bangkok Shutdown“ Mitte Januar 2014. Während die erste Umfrage sich auf einen Vergleich zwischen PDRC-Demonstranten und UDD-Demonstranten („Rothemden“) konzentrierte, wandte sich die zweite lediglich an die Unterstützer von Suthep. Als relevantere Antwort auf die Frage nach einem typischen PDRC-Demonstranten erscheint deshalb die zweite Umfrage[2].

Auf dem Höhepunkt dieser Protestbewegung kann der durchschnittliche PDRC-Demonstrant folgendermaßen beschrieben werden: Eine Frau[3] mittleren Alters[4] mit einem Wohnsitz in Bangkok[5], die über einen Hochschulabschluß[6] und gutes Einkommen[7] verfügt. Sie war bis zu Beginn der Protestbewegung politisch nie aktiv gewesen und ging nun mehrmals freiwillig und auf eigene Kosten zu den PDRC-Demonstrationen[8], um bei der politischen „Entmachtung“ des Thaksin-Regimes, der Verteidigung der Monarchie und der Durchsetzung der Hauptforderung des PDRC – der „Reform vor Wahlen“ – persönlich mitzuwirken[9].

Während unsere Demonstrantin mehr positive als negative Dinge in Bezug auf das Thaksin-Regime einfiel, hielt sie Korruption für dessen größtes Übel.[10] Ihr gefiel die oppositionelle Demokratische Partei aufgrund des guten Rufs[11] besser, auch wenn diese Partei ihrer Ansicht nach an Effizienz und Innovation vermissen ließ[12].

Zum Zeitpunkt der Erhebung war sie der Meinung, dass die politische Situation noch nicht so kritisch gewesen sei, dass eine Intervention des Militärs notwendig gewesen wäre. Allerdings vertrat sie zugleich die Meinung, dass eine solche Intervention durchaus nötig sein könnte, wenn sich die Lage verschlechtern sollte.[13]

Die repräsentative Unterstützerin des PDRC war eher der Überzeugung, dass das Prinzip „Jedem steht das gleiche Wahlrecht zu“ für Thailand nicht, bzw. noch nicht gelten kann.[14] Allerdings glaubte sie, dass ein Dialog zwischen PDRC-Anhängern und Andersdenkenden möglich gewesen wäre.[15]

Ausgehend vom Wohnort ist ein typischer PDRC-Anhänger also ein Wähler der oppositionellen Demokratischen Partei, deren politische Hochburg bekanntermaßen in Bangkok und südlichen Provinzen des Landes ist[16]. Der gute Bildungsstand und das damit zusammenhängende hohe Einkommen lassen die ausgeprägte Antipathie der PDRC-Anhänger gegen populistische Regierungsprogramme des Thaksin-Lagers ebenfalls gut nachvollziehen: Ein wohl situierter Wähler ist viel weniger oder gar nicht auf soziale und wirtschaftspolitische Maßnahmen wie allgemeine Krankenversicherung oder Reissubvention angewiesen und kann sich eine moralisch aufgeladene Vorstellung von Politik existentiell gesehen leichter leisten.

Der Hang zur Moralisierung (bzw. Romantisierung?) der Politik könnte seinen Ursprung in jener elitären Lebenseinstellung haben, wonach nicht alle Menschen gleich sind und nur diejenigen, die besser oder weiser sind als andere, über die Politik des Landes bestimmen sollten. Diese Lebenseinstellung wurde von zahlreichen prominenten PDRC-Demonstranten in aller Offenheit geäußert[17] underklärt womöglich die Umfrageergebnisse zum gleichberechtigten Wahlrecht für alle Bürger.

Nicht jede Protestbewegung muss gleich eine Demokratiebewegung sein. Freilich können solche Begriffe wie Volk, Volksaufstand oder Aufstand machtloser Bürger spontan eine romantische Vorstellung von einer freiheitlich-demokratischen Protestbewegung erwecken. Eine Zivilbewegung kann sich jedoch hin und wieder als eine Bewegung gegen Freiheit und Demokratie entpuppen. Die Ergebnisse der Umfrage der Asia Foundation legen nahe, dass die PDRC-Protestbewegung eine solche Bewegung ist, wenn auch nicht für jeden Demonstranten unbedingt eine bewusste.

Interessant ist hinsichtlich der Demonstranten und der Bewegung im Allgemeinen ebenfalls, dass sich die Motivationen der Demonstranten nicht ganz mit den Motivationen der PDRC-Anführer zu decken scheinen. Während die Bekämpfung der Korruption des Thaksin-Regimes für die Demonstranten im Vordergrund steht, forderte und fordert die PDRC-Führungsriege um Suthep weit radikalere Schritte. Die Ernennung eines Volksrates wäre ein Beispiel dieser Kluft. Auch die in der Umfrage signalisierte Dialogbereitschaft der Demonstranten scheint von den Anführern bislang nicht wahrgenommen worden zu sein. Die meisten Demonstranten scheinen also die Radikalität ihrer Anführer nicht geteilt zu haben. Dies dürfte mit ein Grund für die stetig zurückgehende Anzahl von Demonstranten auf PDRC-Demonstrationen gewesen sein[18].

[1] Auch wenn Suthep betont hat, er habe seine Mitgliedschaft der Demokratischen Partei gekündigt, gibt es keinen Beweis darüber. Belegbar war lediglich, dass er zu Beginn der Protestbewegung sein Mandat im Abgeordnetenhaus niederlegte.
[2] Die Methodik der 2. Umfrage war vergleichbar mit der der ersten Untersuchung. Dabei wurden 350 Demonstranten an allen sieben unterschiedlichen Kundgebungsstandorten während der PDRC-Aktion „Bangkok Shutdown“ befragt, also 50 Probanden pro Standort. Die offiziellen Ergebnisse dieser Umfrage findet sich hier: http://asiafoundation.org/resources/pdfs/THPDRCSurveyReport.pdf (zuletzt aufgerufen am 12.04.2014), dort S. 3 über die Methodik.
[3] Frauen stellten die Mehrheit der Befragten (53%) dar.
[4] Die Mehrheit der Befragten (1/4) waren im Alter von 45-54 Jahren.
[5] Die meisten Demonstranten waren Bangkoker (54%), wobei von den restlichen 46% die meisten, also 75%, entweder von der Zentralregion oder dem Süden stammten.
[6] Es handelt sich um gut gebildete Demonstranten: 54% hatten einen B.A.-Abschluss und 19% sogar einen Master-Abschluss.
[7] Die Mehrheit der Befragten waren gut situierte Bürger, denn fast 2/3 von ihnen verfügten nach eigenen Angaben über ein monatliches Familieneinkommen von über 30 000 Baht – die größte Gruppe unter ihnen (40%) hatte sogar ein monatliches Familieneinkommen von über 60 000 Baht. (Als Vergleich hierzu sei erwähnt, dass der gesetzliche Mindestlohn in Bangkok 300 Baht pro Tag beträgt.)
[8] Fast alle gaben an, freiwillig und auf eigenen Kosten zu den Demonstrationen gegangen zu sein. Interessant ist auch, dass sich 65% der Befragten als Erstdemonstranten bezeichneten. Und viele Demonstranten scheinen Gefallen an Demonstrationen gefunden zu haben, denn fast 80% der Probanden hatten vor der Befragung bereits mehr als 2-3mal an PDRC-Demonstrationen teilgenommen.
[9] Die 3 wichtigsten Beweggründe für die Teilnahme an den Demonstrationen waren Beendigung politischer Aktivitäten der Thaksin-Familie (40%), Verteidigung der Monarchie (15%) und Durchsetzung von Reformen vor Wahlen (15%).
[10] 58% der Befragten konnten angeben, was für positive Eigenschaften das sog. Thaksin-Regime hatte bzw. hat, während 42% nichts Positives über das sog. Thaksin-Regime einfiel. Korruption war nach Meinung der meisten Befragten (72%) das größte Übel des Thaksin-Regimes.
[11] Die Mehrheit der Befragten (40%) bezeichneten Ehrlichkeit und „geringere“ Bestechlichkeit als die zwei wichtigsten positiven Merkmale der oppositionellen Demokratischen Partei.
[12] Langsame Arbeitweise und Mangel an Entwicklung und Innovation wurden von der Mehrheit der Befragten (55%) als das größte Problem der Demokraten angesehen.
[13] 73% der Befragten gaben an, dass zum Zeitpunkt der Befragung ein Militärputsch nicht gerechtfertigt ist. Mehr als die Hälfte (57%) hätten eine Intervention des Militärs bei einer Eskalation der Lage befürwortet.
[14] Nach Ansicht von 30% der Befragten verstößt der Satz „Nicht jedem steht das gleiche Wahlrecht zu“ gegen demokratische Prinzipien und ist nicht akzeptabel. 35% fanden den Satz zwar undemokratisch, doch realistisch. Weitere 35% fanden den Satz nicht undemokratisch und waren der Meinung, dass er missverstanden wird.
[15] 67% der Befragten wären für einen Dialog mit Andersdenkenden bereit gewesen.
[16] Siehe etwa die Ergebnisse der Parlamentswahl von 2011: http://goo.gl/yd0W5x, zuletzt aufgerufen am 12.04.2014.
[17] http://uk.mobile.reuters.com/article/idUKBRE9BC0ZI20131213?irpc=932, zuletzt aufgerufen am 12.04.2014.
[18] Siehe u.a. http://www.todayonline.com/world/asia/thai-protesters-scale-back-bangkok-gatherings und http://www.channelnewsasia.com/news/asiapacific/thai-opposition/1016076.html und http://www.smh.com.au/world/bangkok-shut-down-will-be-scaled-back-says-protest-leader-20140301-hvfov.html, zuletzt aufgerufen am 12.04.2014.

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